Mirko Baselgia
"Lupus"

September 1 - 7, 2018


Mirko Baselgia

Lupus, 2011
single channel HD video, color/sound
4:36 min

 

 

 

Die Galerie Urs Meile freut sich im Rahmen von Kunsthoch 2018 eine Spezialpräsentation von Mirko Baselgia (*1982, Lenz, Schweiz) zeigen zu dürfen. Kunsthoch ist der gemeinsame Aktionstag von 25 Kunstinstitutionen in und um Luzern und bietet Gelegenheit, die Dichte, Lebendigkeit und Vielfalt dieses Angebots zu erleben. Unter dem Titel Lupus versammelt die Ausstellung Arbeiten aus drei Werkserien Baselgias, welche repräsentativ für dessen vielfältiges Schaffen sind. Diese eintägige Werkpräsentation soll einen Vorgeschmack auf Mirko Baselgias bevorstehende Einzelausstellung in unserer Luzerner Galerie im November geben.

Im ersten Raum hängt eine Bienenwabe Midada da structura (2018, Arvenholz, 110 x 68 x 11 cm). Bienen sind ein wiederkehrendes Thema in Baselgias künstlerischem Schaffen. Das Interesse gründet in deren Effizienz und präzisen hierarchischen Organisation, welche Parallelen zwischen der Tierwelt und der menschlichen Gesellschaft ausweist. Zudem besteht eine emotionale Verbindung zu diesem Insekt, da Bienenzucht Teil seiner Familiengeschichte ist. Midada da structura ist die Reproduktion einer Bienenwabe, die ein Experiment durchlaufen hat. Der Künstler setzte eine mit einem islamisch inspirierten sechseckigen Muster abgeänderten Wachsplatte anstelle einer mit der in der Imkerei traditionell eingesetzten sechseckigen Struktur in einen Bienenstock eines befreundeten Imkers ein, um zu überprüfen, ob diese die Arbeit der Bienen beeinflussen würde. Die daraus resultierende Wabe, mit deutlich verändertem Muster, wurde anschliessend digital vergrössert und mit einer computergesteuerten Maschine in Arvenholz gefräst. Die Verflechtung von künstlichen und natürlichen Strukturen ist somit das visuelle Resultat der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier.

Im gleichen Vorraum befindet sich die Fotografie George - columba migrante (2014, digitaler C-Print montiert auf Aluminium, Wallnuss-Rahmen, 77 x 55 cm), eine von insgesamt sechs Ansichten, die ein Exponat der ausgestorbenen Wandertaube zeigt. Der Künstler hat George von allen vier Seiten ablichten lassen, so dass er immer nach Westen schauend im Raum gehängt werden kann, nach Cincinnati blickend, wo Martha, nach der Frau des ersten amerikanischen Präsidenten George Washington benannt, die letzte Vertreterin ihrer Spezies, 1914 starb. Weit verbreitet im Nordamerika des 19. Jahrhunderts wurde die Wandertaube durch Jäger, intensive Entwaldung und Naturkatastrophen ausgerottet. Die phantasievolle Suggestion des Künstlers einer transatlantischen Liebesgeschichte bringt eine romantische, emotionale Dimension in das Drama des ausgestorbenen Vogels.

Der Besuch des Zoos in Belgrad war für Mirko Baselgia eine tiefgreifende Erfahrung und gilt als Inspiration für die Videoarbeit Lupus (2011, Einkanalton-HD-video, in Farbe/Ton, 4:36 min), welche im grossen Galerieraum gezeigt wird. Die Bedingungen unter denen die Tiere da leben, sind bedauernswert und er spürte ihr Leiden. Insbesondere berührte Baselgia das Verhalten eines Wolfes, der in seinem kleinen Käfig endlos im Kreis lief. Dies lies ihn an eine Spirale denken, welche das Vergehen der Zeit symbolisiert sowie an Nietzsches Verständnis des Nihilismus, im Sinn der Sinnlosigkeit in der ewigen Wiederkehr der Dinge. Baselgia war von dieser Szene so bewegt, dass er ohne klare Absichten, diese mit seiner kleinen Fotokamera festhielt. Die Bilder verfolgten ihn allerdings und daraus entstand das Bedürfnis diese Videoarbeit zu entwickeln. Das Video in niedriger Auflösung wird von einer Vertonung in hoher Qualität der elf Cellos des berühmten ‘Va, pensiero’ (Gefangenenchor) Chorwerkes aus Giuseppe Verdis Opera Nabucco begleitet, welche der Künstler einige Tage nach seinem Aufenthalt in Belgrad sah. Eine natürliche Harmonie scheint sich aus dem gequälten Tanz des Wolfes und der kraftvollen Musik zu entwickeln und die Tragik, die das Lied ausdrückt, spiegelt treffend das Leiden des Tieres wider.


Ausstellungshinweise:

Pardis (Curzoin), Abbatiale de Bellelay, Bellelay; bis 9. September 2018
Mirko Baselgia
, Galerie Urs Meile, Luzern: 22. November 2018 – 5. Januar 2019
Eröffnung: 22. November 2018, 17.30-19.30 Uhr

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