Yang Mushi
"Compulsory Execution"


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February 22 - April 14, 2018
Opening: February 22, 2018; 5.30-7.30pm


 

Yang Mushi

Paralleling - Branch,
2017 (No. 4), wooden
ladder, lacquer,
60 x 145 x 16 cm, detail

 




Compulsory Execution


2018 (english)

"When I was at school, I had to travel 40 kilometers every week from the eastern suburbs to the west side of the city. This experience allowed me to witness the city’s metamorphosis. Stores popping up on one day disappeared the other, as if they had never existed. Many of my memories are chaotic and peeling away layer by layer, which throws shadows over my logic and sense of security. It also finds its way to my art works. They eventually become my heaven and my hell of eternal self-defense."

— Yang Mushi


Galerie Urs Meile is pleased to announce the opening of Compulsory Execution, the first solo exhibition in the west for young emerging Chinese artist Yang Mushi (*1989). The exhibition follows his first solo show, Illegitimate Production, held in Beijing in 2016.

While creating his works, Yang Mushi enters a state of introspection that borders on self-torture. He submits himself to a rigorous daily routine, diligently working on his sculptural materials in vigorous acts of cutting, grinding and sharpening. As a final step, the surface is polished and covered with black lacquer, thus reducing the objects to dark shapes of strict aesthetics and a martial kind of beauty.

The exhibition in 2016 presented a group of works questioning the legitimacy of the industrial mass production and extreme urban development of China. The artist sees this body of works as a result of blindness, impulsivity and instinct, while Compulsory Execution represents his pursuit of analysis, rationality and restriction. The construction of the pieces, and the size and proportions of each component, are all carefully calculated. The result is aggressiveness, sharpness and anonymity that is considered by the artist as a tool of defense.

Inevitably, Compulsory Execution also reflects the current social reality in China. The discouragement of individual thinking fulfills a need for high social efficiency, at the cost of personal attributes, leading to a dull, unified and at worst combative community. Yang Mushi uses ready-made materials exclusively, after obliterating their original forms, traces and functions, he deliberately presents the brutal results of this “compulsory execution”.

The materials of Arraying - Branch (2017, tool handles, plywood, lacquer, 4 x 66 x 27 x 34 cm) come from various tool handles. After uniformly scaling down all sizes and filing away the edges, the objects are ground down into the shapes of bullets before being covered with black lacquer. They are then tightly placed onto four identical black backboards, all facing in one unified direction.

Overlaying - Branch (2017, protective barrier, plywood, lacquer, 155 x 42 x 19 cm) is made of a group of slim wooden pieces with both ends sharpened. The material is sourced from protective barriers which were used to protect house properties in the artist’s neighborhood. Yang Mushi first reduces the objects to hand tool size before cutting the top corners. The wood strips and plywood boards are then nailed together into two warped triangular columns with identical shrinking gradients and orientations. Then another set of protective barriers of the same size with both ends sharpened are nailed onto the exterior, thus covering the original structure. The gaps between wood strips are then filled to create an illusion of a singular whole.

Sharpening - Block (2017, wooden pallet, fiberboard, lacquer, 245 x 123 x 18 cm, 3 pieces) is made from used pallets. The artist cuts the material and assembles it into fist-sized objects, and then grinds it down into objects with edges and corners that are half ball, half cube shaped. Finally, they are nailed onto the black base plate in an orderly layout, creating a fragmented, forward-facing space.




 



2018 (deutsch)


"Als ich noch Schüler war, musste ich jede Woche 40 Kilometer weit von den östlichen Vororten der Stadt bis ganz in den Westen fahren. Diese Erfahrung ließ mich davon Zeuge werden, welche Metamorphosen die Stadt durchlebte. Läden, die an einem Tag auftauchten und am nächsten wieder verschwanden, als hätte es sie nie gegeben. Viele meiner Erinnerungen sind chaotisch und zerfasert, und das beeinträchtigt mein logisches Denken und meine Sicherheit. Es findet auch Eingang in meine künstlerischen Arbeiten. Mit der Zeit werden sie für mich zum Himmel und zur Hölle des ewigen Selbstverteidigens."

— Yang Mushi

 

Die Galerie Urs Meile freut sich, die Eröffnung von Compulsory Execution anzukündigen, der ersten Einzelausstellung des aufstrebenden jungen chinesischen Künstlers Yang Mushi (*1989) im Westen. Zuvor hatte er 2016 mit Illegitimate Production seine erste Einzelausstellung in Beijing.

Bei seinem Schaffensprozess agiert Yang Mushi in einem sich selbst ständig prüfenden, ja selbstquälerischen Arbeitsmodus: er unterwirft sich dabei einem streng geplanten Tagesablauf, formt gewissenhaft und mit kraftvollen Schnitten, Schleif und Schärfarbeiten an seinem Skulpturenmaterial. Im letzten Schritt wird jeweils die Oberfläche poliert und mit schwarzem Lack überzogen, was seine Objekte zu dunklen Gebilden von strenger Ästhetik und einer martialischen Schönheit reduziert.

Die Ausstellung im Jahr 2016 präsentierte eine Gruppe von Arbeiten, die die Legitimität der industriellen Massenproduktion sowie der extremen Stadtentwicklung in China in Frage stellten. Der Künstler sah in diesem Werkkomplex die Auswirkungen von Blindheit, Impulsivität und Instinkt, während er in Compulsory Execution sein Streben nach Analyse, Rationalität und Einschränkung darstellt. Das Konstruieren der Teile, die Größe der einzelnen Komponenten und die Verhältnisse zwischen ihnen sind sorgfältig berechnet. Das Ergebnis ist Aggressivität, Schärfe und Anonymität – die der Künstler als Waffen zur Verteidigung betrachtet.

Compulsory Execution reflektiert unweigerlich auch die derzeitige gesellschaftliche Wirklichkeit Chinas. Das Verbot des individuellen Denkens erfüllt den Anspruch hoher sozialer Effizienz, opfert jedoch dafür die Attribute der Persönlichkeit, und so entsteht eine dumpfe, aber in sich geeinte und im schlimmsten Fall angriffige Gemeinschaft. Yang Mushi verwendet vorgefertigte Materialien, und nachdem er alle ursprünglichen Formen, Spuren und Funktionen beseitigt hat, präsentiert er bewusst die brutalen Resultate der "Zwangsvollstreckung" (compulsory execution).

Die Materialien von Arraying – Branch (2017, Werkzeuggriffe, Sperrholz, Lack, 4x 66 x 27 x 34 cm) stammen von verschiedenen Griffen von Arbeitsgeräten. Nachdem er alle auf einheitliche Größe reduziert und die Kanten abgefeilt hat, werden die Objekte zu Projektilen geschliffen und dann schwarz lackiert. Anschließend werden sie auf vier identische schwarze Rückwände fixiert, die alle in dieselbe Richtung ausgerichtet sind.

Overlaying – Branch (2017, Schutzwall, Sperrholz, 155 x 42 x 19 cm) besteht aus einer Gruppe von schlanken Holzteilen, die an beiden Enden spitz zugeschliffen sind. Die Stücke stammen von Schutzwänden, die zur Sicherung von Häusern in der Nachbarschaft des Künstlers verwendet wurden. Zunächst reduziert Yang Mushi sie auf handliche Größe, bevor er die oberen Enden abschneidet. Die Holzleisten und Sperrholzplatten werden dann zu zwei verzogenen Dreieckssäulen mit identischen Reduktionsgradienten und Ausrichtungen zusammengenagelt. Dann wird ein weiterer Satz gleich großer Schutzwände mit beidseitig spitz geschliffenen Enden auf der Außenseite befestigt, womit die ursprüngliche Struktur verdeckt ist. Die Zwischenräume der Holzleisten werden dann ausgefüllt, um eine Illusion eines einheitlichen Ganzen zu erzeugen.

Sharpening – Block (2017, Holzpalette, Holzfaserplatte, Lack, 245 x 123 x 18 cm, 3 Objekte) entstand aus alten Paletten. Der Künstler schneidet das Holz zurecht und ordnet die Stücke zu faustgroßen Gebilden, die dann zu Objekten mit Ecken und Kanten auf halbem Wege zwischen Kugel und Würfelform abgeschliffen werden. Schließlich befestigt er sie auf einer schwarzen Grundplatte und ordnet sie dort regelmäßig an, was einen fragmentierten, vorwärts orientierten Raum schafft.

 

 

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